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Seminar "Gerechtigkeit und Wohlfahrt", Sommer 2010

Kurzbeschreibung

Zwei Standardannahmen in der wirtschaftswissenschaftlichen Analyse sind: (i) Menschen verfolgen ihr eigenes Interesse; (ii) Menschen streben nach mehr Einkommen, weil dies ihre Zufriedenheit erhöht. Beide Annahmen sind in den letzten Jahren von Wirtschaftswissenschaftlern kritisch unter die Lupe genommen worden. Sie stehen aber auch in enger Verbindung mit den Themenfeldern Glück und Gerechtigkeit, die in der abendländischen Philosophie schon seit langem diskutiert werden. In dem interdisziplinären Blockseminar wollen wir uns mit folgenden Fragen beschäftigen: Welche durchaus kontroversen Erkenntnisse liefert die ökonomische Forschung zum Thema Glück und Gerechtigkeit? In welcher Beziehung stehen diese Untersuchungen zur Philosophie des Glücks und der Gerechtigkeit? Wie hat die ökonomische Klassik, insbesondere Adam Smith, das Verhältnis von Glück und Gerechtigkeit gesehen? Diese Themen sind von hoher Relevanz – nicht nur für die Frage, welche Grundannahmen für wirtschaftswissenschaftliche Analysen sinnvoll sind. Aus der Forschung kann man als Einzelner viel darüber lernen, was Zufriedenheit fördert und was nicht. Und auch die Konsequenzen für die staatliche Politik sind vielfältig und werden schon diskutiert, etwa bezüglich der Frage, wie der Wohlstand der Bürger eines Landes gemessen und gefördert werden soll.

Zeitplan

11.2.201018:30Raum 203, Helmholtzstr. 18  Vorstellung und Vergabe der Seminarthemen.
2.-3.7.2010ca. 9:00-18:30Villa Eberhardt, UlmSeminar als Blockveranstaltung,
bis 30.9.2010Abgabe der Hausarbeiten

Dozenten und Kontakt

Organisatorisches

  • Themenvergabe: Siehe Zeitplan. Spätere Anmeldungen sind möglich, sofern noch Themen verfügbar sind.
  • Betreuung: Durch den beim jeweiligen Thema angegebenen Dozenten (s.u.). Bitte kontaktieren Sie Ihren Betreuer rechtzeitig, um Gliederung und Arbeitsplan durchzusprechen.
  • Durchführung: Als Blockseminar, Termin s.o.
  • Verwendbarkeit: Als wirtschaftswissenschaftliches Seminar (BWL/VWL) in den Studiengängen Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsmathematik. Im Seminar können auch Leistungspunkte für den Bereich ASQ erworben werden; Studierende des Lehramts können den für das Ethisch-Philosophische Grundlagenstudium erforderlichen Schein (EPG II) erhalten.
  • Seminarleistungen: Referat und Hausarbeit.
  • Hinweise: Vgl. Guidelines des Instituts für Finanzwirtschaft.

Themen

Als pdf oder hier:

  1. Glücksforschung - ein Überblick über empirische Ergebnisse (Löffler)

    In der Glücksforschung wird – vorwiegend durch Umfragen – analysiert, wie zufrieden Menschen sind und was sie zufrieden macht oder nicht. Damit können u.a. grundsätzliche Annahmen der modernen Wirtschaftswissenschaften (z.B. mit Einkommen steigender Nutzen, Rationalität) empirisch überprüft werden. Für das Seminarthema sollen Sie wichtige Ergebnisse der Glücksforschung zusammenfassen.

    Literatur zum Einstieg :
    • Kahneman, D., Krueger, A., 2006. Developments in the Measurement of Subjective Well-Being. Journal of Economic Perspectives 20, 3-24.
  2. Glücksforschung - ein kritischer Blick (Löffler)

    Während im Mainstream der Glücksforschung einige zentrale Ergebnisse weitgehend anerkannt werden (mehr Geld macht nicht unbedingt glücklicher, Zufriedenheit kann man gut messen und vergleichen), gibt es auch Arbeiten, die einen kritischen Blick auf die Ergebnisse und ihre Interpretation werfen. Für dieses Seminarthema sollen Sie Arbeiten zusammenfassen, die kritisch zu den üblichen Sichtweisen stehen (zu diesen vgl. das Thema „Glücksforschung – ein Überblick über empirische Ergebnisse“).

    Literatur zum Einstieg :
    • Stevenson, B., Wolters, J., 2008.Economic Growth and Subjective Well-Being: Reassessing the Easterlin Paradox. Brookings Papers on Economic Activity.
    • Deaton, A., Fortson, J., Tortora, R., 2009. Life (evaluation), HIV/AIDS, and death in Africa. Working paper.
  3. Wohlfahrtsmessung: Bruttoinlandsprodukt oder Bruttoglücksprodukt? (Löffler)

    Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes wird mit dem Bruttoinlandsprodukt gemessen und oft als Indikator für den Wohlstand eines Landes herangezogen. In dieser Arbeit sollen Sie Defizite des Bruttoinlandsprodukts als Wohlstandsindikator beleuchten. Dabei sollen Sie auch kritisch diskutieren, welche Indikatoren zusätzlich betrachtet werden können, um eine aussagekräftigere Messung des Wohlstands ermöglichen.

    Literatur zum Einstieg :
    • Stiglitz, J., Sen, A., Fitoussi, J.-P. 2008. Report by the Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress.
  4. Fairness und Eigeninteresse aus Sicht der modernen Ökonomie (Löffler)

    Die Verfolgung des eigenen Interesses –gegebenenfalls temperiert durch die Tatsache, dass man auch vom Wohlergehen anderer profitieren kann – ist seit Adam Smith ein zentraler Bestandteil der ökonomischen Analyse. Neuere Studien legen jedoch nahe, dass diese Annahme zur Beschreibung menschlichen Verhaltens nicht ausreicht. Für das Thema sollen Sie entsprechende Ergebnisse aus der ökonomischen Literatur (vorwiegend experimenteller Natur) zusammenfassen.

    Literatur zum Einstieg :
    • Fehr, E., Gächter, S. 2000. Fairness and Retaliation: The Economics of Reciprocity. Journal of Economic Perspectives 14, 159–181.
    • Levitt, S., List, J., 2007. What Do Laboratory Experiments Measuring Social Preferences Reveal about the Real World? Journal of Economic Perspectives 21, 153-74.
  5. Eudämonistischer (Aristoteles) vs. hedonistischer (Utilitarismus) Glücksbegriff (Keul)

    Die Glücksforschung spielt seit einigen Jahren zunehmend eine Rolle in der Ökonomie (happiness economics). Glück scheint das zu sein, wonach die Menschen streben und was sie daher als ein wichtiges Gut ansehen. Was aber genau unter Glück zu verstehen ist und wie man es erreichen kann, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Einer der ersten, der sich ausgehend von Platon mit dem Glück beschäftigt, ist Aristoteles mit seinem eudämonistischen Glücksbegriff. Kontrastierend dazu wurde seit Ende des 18. Jahrhunderts im Rahmen des Utilitarismus ein hedonistischer Glücksbegriff entwickelt, der auch großen Einfluss auf die Ökonomie hat.

    Literatur zum Einstieg :
    • Aristoteles: Nikomachische Ethik, Buch I, Reclam oder dtv .
    • Höffe, O. (2006): Aristoteles, München (bes. Kap. 14.).
    • Mill, J. S. (1976): Utilitarismus, Reclam (bes. zweites Kapitel)
  6. Die Ethik von Adam Smith (Schumann)

    Adam Smith war Moralphilosoph und sein erstes bedeutendes Buch war die „Theorie der ethischen Gefühle“ von 1759. Hier legt er eine ethische Theorie vor, bei der die beiden Begriffe „Sympathie“ und „unparteiischer Zuschauer“ im Mittelpunkt stehen. Aufgabe des Referates wäre es, die Grundargumentation von Smith kritisch herauszuarbeiten, um so einen tieferen Einblick in den für die Ökonomie so wichtigen Denker zu bekommen.

    Literatur zum Einstieg :
    • Smith, A. (1985): Theorie der ethischen Gefühle, Hamburg. .
    • Aßländer, M. (2007): Adam Smith zur Einführung, Hamburg.
  7. Das Adam-Smith-Problem (Schumann)

    Mit dem Begriff “Das Adam-Smith-Problem” wird seit dem 19. Jahrhundert das Spannungsverhältnis der beiden Hauptwerke „Theorie der ethischen Gefühle“ (TEG) und der „Wohlstand der Nationen“ (WN) bezeichnet. Während Smith in der TEG die Begriffe „Sympathie“ und „unparteiischer Zuschauer“ in den Mittelpunkt stellt, sind für den WN die Begriffe „Eigeninteresse“ und „unsichtbare Hand“ zentral. Dies scheint sich auf den ersten Blick zu widersprechen und es gibt hier unterschiedliche Interpretationen.

    Literatur zum Einstieg :
    • Oncken, A. (1898a): Das Adam Smith Problem. I. Die neuere Smith-Literatur und ihre Ergebnisse, in: Zeitschrift für Socialwissenschaft, I, 1., S. 25-33 .
    • Oncken, A. (1898b): Das Adam Smith Problem. II. Die Triebfedern des menschlichen Handelns in Smith’s Gesamtsystem der Moralphilosophie, in: Zeitschrift für Socialwissenschaft, I, 2., S. 101-108
    • Oncken, A. (1898c): Das Adam Smith Problem. III. Smith und die Maxime: „laissez faire et laissez passer“, in: Zeitschrift für Socialwissenschaft, I, 4., S. 276-287 .
    • Patzen, M. (1991): Zur Diskussion des Adam-Smith-Problems – ein Überblick, in: Meyer-Faje, A. / Ulrich, P. (Hg.): Der andere Adam Smith, Bern, s. 21-54.
  8. Die Bedeutung von Gerechtigkeit bei Adam Smith

    In der Politischen Ökonomie von Smith spielt neben der Ethik vor allem die Gerechtigkeit für das Gedeihen von Gesellschaften eine große Rolle. In der Hausarbeit sollen im Kontext der Smithschen Ethik seine Überlegungen zur Gerechtigkeit systematisch herausgearbeitet werden. Neben seiner grundsätzlichen Einschätzung von Gerechtigkeit beispielsweise im Verhältnis zur Ethik geht es hier vor allem auch um das Verhältnis von Tausch- und Verteilungsgerechtigkeit und ihre Einbettung in das System der Politischen Ökonomie. Kurz gesagt folgt Smith als Moralphilosoph formal der Aristotelischen Trias Ethik-Ökonomie-Politik. Die Ethik behandelt Smith in seinem ersten Werk „Theorie der ethischen Gefühle“ (1759), die Ökonomie in seinem zweiten Hauptwerk „Wohlstand der Nationen“ (1776) und die Politik bzw. Jurisprudenz hatte er für sein drittes Werk reserviert, dass er aber nicht mehr vollenden konnte. Es liegen hier lediglich Mitschriften von zweien seiner Studenten vor.

    Literatur zum Einstieg :
    • Ballestrem, Karl Graf (2001): Adam Smith, München, Kap. IV. .
    • Nutzinger, H. G. (2005): Ökonomik und Gerechtigkeit: Grundsätzliche Überlegungen und der Anwendungsfall Klimapolitik, in: Beschorner, T. / Hollstein, B. / König, M. / Lee-Peuker, M.-Y. / Schumann, O. J. (Hg.): Wirtschafts- und Unternehmensethik: Rückblick – Ausblick – Perspektiven, München, S. 383-423 (nur die Seiten 384-392)
    • Smith, A. (1985): Theorie der ethischen Gefühle, Hamburg, (vor allem Zweiter Teil, Abschnitt 2) .
    • Smith, A. (1996): Vorlesungen über Rechts- und Staatswissenschaften,
  9. Gerechtigkeit als Fairness (Keul)

    Die Gerechtigkeitstheorie von John Rawls gehört zu den bedeutendsten Entwürfen des 20. Jahrhunderts. Sie hat nicht nur in der Politischen Philosophie intensive Diskussionen ausgelöst, sondern wurde auch von Beginn an (1971) in der Ökonomie heftig und kritisch diskutiert. Heftig vor allem auch deshalb, weil Rawls vertragstheoretischer Ansatz prinzipiell für die Sprache und das Denken von ÖkonomInnen recht zugänglich ist, kritisch vor allem deshalb, weil mindestens einer seiner entwickelten Gerechtigkeitsgrundsätze unter ÖkonomInnen, die vom Utilitarismus her argumentieren, kaum Zustimmung findet. Es wäre daher wichtig, den Ansatz von Rawls und seine Argumentation kritisch herauszuarbeiten.

    Literatur zum Einstieg :
    • Braun, E. / Heine, F. / Opolka, U. (2008): Politische Philosophie. Ein Lesebuch, Reinbek bei Hamburg, S. 454-476.
    • Rawls, J. (2003): Gerechtigkeit als Fairness, Frankfurt a. M.
    • Kersting, W. (1994): Die politische Philosophie des Gesellschaftsvertrages, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 259-291.
  10. (Soziale) Gerechtigkeit bei Hayek

    Hayek ist ein Provokateur, wenn er schreibt, dass der Begriff der sozialen Gerechtigkeit nicht in die Kategorie des Irrtums, sondern des Unsinns gehört. Dennoch spielt bei Hayek der Begriff der Gerechtigkeit in seiner politisch-ökonomischen Konzeption eine wichtige Rolle. An Hayek kann exemplarisch sehr gut gezeigt werden, wie ökonomisches und philosophisches Denken ineinander greifen. Er hat sich sehr weit über sein Fachgebiet, die Ökonomie, hinausgewagt. Dennoch sind sein philosophisch-ethisches und sein ökonomisches Denken nicht unabhängig voneinander. Es wäre interessant herauszuarbeiten, welche Vorstellung von Gerechtigkeit bei Hayek entwickelt wird und wie diese mit seinem evolutionsökonomischen Ansatz (der kein neoklassischer ist) verbunden ist.

    Literatur zum Einstieg :
    • Hayek, F. A. v. (2003): Recht, Gesetz und Freiheit. Eine Neufassung der liberalen Grundsätze der Gerechtigkeit und der politischen Ökonomie, Tübingen: Mohr Siebeck (Teil 2).
    • Becker, M. / Schmidt, J. / Zintl, R. (2006): Politische Philosophie, Paderborn: Schöningh, S. 145-155.
  11. Gleiche Gerechtigkeit (Gosepath)

    In modernen Gerechtigkeitstheorien geht es vor allem auch um das Spannungsverhältnis von Freiheit und Gleichheit. Einfach formuliert geht es um das Problem, ob in einer Gesellschaft die Freiheit des Einzelnen, die mit großen ökonomischen und sozialen Ungleichheiten einhergehen kann, höher geschätzt werden soll als eine gewisse Gleichheit, die solche Ungleichheiten mildert, aber mit Eingriffen in die Freiheit verbunden ist oder sein kann. Natürlich muss man hier zunächst klären, was überhaupt unter Freiheit und Gleichheit verstanden werden soll. Der Philosoph Stefan Gosepath hat mit seinem Buch „Gleiche Gerechtigkeit“ ein Gerechtigkeitskonzept vorgelegt, mit dem er in Bezug auf John Rawls die moralische Gleichheit der Menschen zum Ausgangspunkt nimmt. In der Arbeit sollte es darum gehen, die Grundlinie seiner Argumentation herauszuarbeiten und sich kritisch damit auseinanderzusetzen, eventuell auch vor dem Hintergrund der praktischen Umsetzung.

    Literatur zum Einstieg :
    • Gosepath, S. (2004): Gleiche Gerechtigkeit, Frankfurt, S. 29-287.
    • Gosepath, S. (2005): Soziale Gerechtigkeit – Philosophische Grundlagen der Sozialstaatsbegründung, in: Soziale Sicherheit CHSS, 4/2005, S. 190-196.
  12. Der Fähigkeitenansatz von Amartya Sen (Keul)

    Der in Harvard lehrende indische Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Amartya K. Sen hat sich vor dem Hintergrund seiner Herkunft immer auch mit (wirtschafts-) ethischen Fragen beschäftigt und auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie man Armut bekämpfen kann und wie sich eine Alternative zum ökonomischen Wachstumsdenken als Lösung für die so genannten „Entwicklungsländer“ entwickeln lässt. Sen ist der Überzeugung, dass wirtschaftliches Wachstum alleine kein geeigneter Indikator ist und nicht ausreicht, um die Probleme in den Entwicklungsländern zu lösen. Auch wenn der Fokus auf den Entwicklungsländern liegt, ist der Ansatz von Sen doch keineswegs darauf beschränkt, denn auch in den entwickelten Industriestaaten greift das Armutsproblem immer mehr um sich. Sen hat in diesem Zusammenhang seinen „Fähigkeitenansatz“ (capability approach) entwickelt, der nur bedingt als normatives Konzept zu verstehen ist. Vielmehr geht es bei diesem Konzept auch darum, wirtschaftliche Entwicklung „besser“ bzw. geeigneter messen zu können. Im Mittelpunkt steht dabei der Begriff Freiheit. Ziel des Referates wäre es, vor dem Hintergrund des Fähigkeitenansatzes Sens Begriffe von Freiheit kritisch herauszuarbeiten und dies gerne auch mit Beispielen anzureichern.

    Literatur zum Einstieg :
    • Scholtes, F. (2005): Warum es um Verwirklichungschancen gehen soll: Amartya Sen`s Capability-Ansatz als normative Ethik des Wirtschaftens, in: ? (als PDF)
    • Sen, A. K. (2000): Entwicklung für den Menschen, München. .
    • Sen, A. (2009): The Idea of Justice, London. .
  13. Zum Verhältnis von Effizienz und Gerechtigkeit (Schumann)

    Es wird häufig die These vertreten, dass Gerechtigkeit, zumindest wenn es um soziale oder Verteilungsgerechtigkeit geht, nur auf Kosten von Effizienz durchgesetzt werden kann. D. h. Gerechtigkeit und Effizienz stehen systematisch in einem Spannungsverhältnis. Effizienz wird dabei häufig mit dem ökonomischen Prinzip oder in normativer Hinsicht mit Pareto-Effizienz geleichgesetzt. Darüber hinaus genieße das Konzept der Pareto-Effizienz den Vorteil, dass es klar definiert sei, im Gegensatz zur Vieldeutigkeit des Gerechtigkeitsbegriffs. In der Hausarbeit sollte es nun darum gehen, dieses Spannungsverhältnis etwas genauer zu untersuchen. Dabei kann sich z. B. zeigen, dass der Effizienzbegriff keineswegs so klar definiert ist, wie oft angenommen, dass sich soziale Gerechtigkeit und Effizienz keineswegs immer ausschließen (z. B. hat John Rawls dies zu zeigen versucht) und dass der Effizienzbegriff keineswegs normativ unproblematisch ist. Neben einer theoretischen Analyse kann hier durchaus auch mit praktischen Beispielen gearbeitet werden.

    Literatur zum Einstieg :
    • Held, M. / Kubon-Gilke, G. / Sturn, R. (Hg.) (2002): Gerechtigkeit als Voraussetzung für effizientes Wirtschaften, Normative und institutionelle Grundfragen der Ökonomie, Jahrbuch 1, Marburg, Metropolis.
    • Rawls, J. (2003): Gerechtigkeit als Fairness, Frankfurt a. M. (§18, S. 104-111). .
  14. Was sind Menschenrechte? Historische Entwicklung, philosophische Begründung, Probleme (Keul)

    Dass der einzelne Mensch über gleiche und unveräußerliche Rechte verfügt, setzt ein bestimmtes Verständnis des Menschen (Menschenbild) voraus und ist eine relativ neue anthropologische Bestimmung. Diese Idee setzt in der europäischen Geistesgeschichte mit Beginn der frühen Neuzeit bei Hobbes und vor allem bei John Locke in England ein und ist eng mit dem vertragstheoretischen Denken verbunden. Menschenrechte stehen daher in einem engen Zusammenhang mit der Idee eines politischen Liberalismus, und sie wurden vor allem aus dem Naturrecht (der Vernunft) abgeleitet bzw. begründet. Erste Dokumente über Menschenrechte finden sich aus der Zeit Ende des 17. Jahrhunderts aus England (Habeas Corpus Akte 1679 und Bill of Rights 1689), sie wurden aber zuerst zurzeit der französischen Revolution in der französischen „Erklärung der Rechte des Menschen und Bürgers von 1789“ umfassender formuliert. Von da an haben sie sich bis heute enorm weiter entwickelt. Menschenrechte sind zunächst moralische Rechte. D. h. sie sind nicht einklagbar. Mit ihnen sind daher „nur“ eine moralische Verpflichtung und ein moralischer Rechtsanspruch verbunden. Erst wenn sie „positiviert“ sind, z. B. als Grundrechte in Verfassungen, z. B. im deutschen Grundgesetz, verankert, wird aus diesem moralischen Rechtsanspruch ein positiver Rechtsanspruch, der auch vor einem Gericht einklagbar ist. Die Menschenrechte werden üblicherweise in drei Gruppen eingeteilt: 1. Liberale Abwehrrechte (negative Freiheitsrechte), z. B. Recht auf körperliche Unversehrtheit, Recht auf Meinungsfreiheit etc. 2. Politische Teilhaberechte, z. B. Recht auf politische Mitbestimmung, aktives und passives Wahlrecht, gleicher Zugang zu politischen Ämtern etc. 3. Wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (positive Freiheitsrechte), z. B. Recht auf Arbeit, Recht auf medizinische Grundversorgung, Recht auf die Möglichkeit, am kulturellen Leben der Gesellschaft teilzunehmen etc. Ziel der Hausarbeit sollte es sein, das Konzept der Menschenrechte vor dem Hintergrund philosophischer Begründungen und politischer Umsetzung herauszuarbeiten. Dabei können durchaus auch praktische Beispiele angeführt werden.

    Literatur zum Einstieg :
    • Heidelmeyer (Hg.) (1997): Die Menschenrechte, Paderborn (UTB).
    • Sen, A. (2004): Elements of a Theory of Human Rights, in: Philosophy & Public Affairs , no. 4, pp. 315-356.
    • Heidelmeyer (Hg.) (1997): Die Menschenrechte, Paderborn (UTB).
    • Tugendhat, E. (1998): Die Kontroverse um die Menschenrechte, in: Gosepath, S. / Lohmann, G. (Hg.): Philosophie der Menschenrechte, Frankfurt a. M., S: 48-61.
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